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Im Gespräch mit Lotte Krisper 

 
Anbieterin von Fastentrekking 
 
 
Aus dem Gespräch mit Andrea Thomas, Krone Bunt 1. 3. 2020

 

Was hat Sie dazu gebracht, Fastenwandern anzubieten? 

Ich wurde 2005 zum Fastenwandern in die Wüste Marokkos mitgenommen. 2006 kam unser Sohn auf die Welt. Ob es einen Zusammenhang mit dem Fasten gibt, weiß ich nicht mit Sicherheit, vermute aber schon. Geschadet hat es jedenfalls nicht! Ich wollte im Jahr 2008 gerne wieder fastenwandern gehen. Ich konnte nicht glauben, dass es in Österreich kein Fastenwanderangebot gab und dass ich dafür nach Deutschland fahren sollte. Ich war “empört”. Da hat mir der deutsche Fastenleiter einen Floh ins Ohr gesetzt: “Dann wirst Du es in Österreich anbieten”. Er hat recht behalten! 

Was ist das Besondere an Ihrem Fastenwanderangebot? 

Ich bin eine von wenigen, die das Fastenwandern von Hütte zu Hütte anbietet. Ich nenne es Fastentrekking. Die vorgegeben Hüttenroute gibt gleichzeitig Kraft und strahlt Ruhe aus: Man muss nicht entscheiden, welchen Gipfel man besteigen möchte, der Weg ist klar. In jedem Fall muss die Gruppe zusammenhalten. Wenn jemand schwächelt, wird das Gepäck aufgeteilt. Und es ist jedesmal sehr beeindruckend, wenn man am letzten Tag auf die Strecke zurückblickt: “Das sind wir alles gegangen ohne zu essen?” 

Warum gibt es nicht mehr Fastentrekking Angebote? 

Zunächst ist es ein großer Organisationsaufwand. Auch kann man nur in kleinen Gruppen mit ca. 10 Teilnehmern gehen und keine Erstfaster mitnehmen. Zudem hat man 7-10kg am Rücken und muss bei Schlechtwetter spontan umplanen. Dennoch lohnt sich die Mühe, und ich habe eine wachsende Stammkundschaft, für die diese Wanderungen ein Jahreshighlight darstellen. 

In welchem Gebiet liegen Ihre Hüttenwanderungen? 

Ich gehe am liebsten im Salzkammergut. Mein Touren starten und enden meistens am Bahnhof Bad Aussee. Eine Hüttentour geht über den Altausseer See - Blaa Alm - Lambacher Hütte Goiserer Hütte - Gablonzer Hütte. Eine andere geht über den Grundlsee - Tauplitz - Hochmölbing Wurzer Alm - Gleinker See. Oder über den Ödensee - Viehberg Alm - Stoder - Guttenberghaus Gjaidalm. In diesem Jahr probiere ich etwas Neues aus: das steirisch-slowenische Weinhügelland. 

Was sagen die Hüttenwirte zum Fastenwandern?

Ich hatte zu Beginn große Sorge, dass die Hüttenwirte “grantig” reagieren würden, wenn ich sie bitte, eine Fastensuppe zu kochen. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Vielen freuen sich über die Abwechslung. Natürlich muss man darauf achten, dass die Hüttenwirte auch etwas verdienen. Meistens vereinbaren wir es so, dass wir anstelle des Frühstücks unsere Gemüsebrühe und viel heißes Wasser bekommen. Unvermeidlich sind die Witze, die über eine ergehen, wenn die Spinatknödeln duftend an einem vorbeigetragen werden. Aber die nimmt man gelassen in Kauf. 

Ist Essen nicht das Schönste auf einer Hütte? 

Man sagt sich: “Der Spinatknödel lauft mir nicht davon”. Erfahrungsgemäß brechen allerdings am dritten Tag bei den Teilnehmern heftige Essensfantasien aus. Sie erzählen an diesem Tag besonders detailreich, was ihnen beispielsweise ihre Oma gekocht hat, es werden Rezepte ausgetauscht, Speisekarten fotografiert und die Hüttenwirte genauestens über Zutaten der Speisen befragt. Teilnehmer nehmen sich dann oft vor, mit Familie oder Freunden zurückzukehren, und die Tour noch einmal essend abzugehen. Aber diese Auseinandersetzung mit dem Essen ist grundsätzlich nicht quälend, sondern eher erheiternd. Der Körper stellt etwa ab dem dritten Tag auf den Fastenmodus um, und das Verlangen nach Essen ist weg. 

Wie passen Fasten und Hüttengaudi zusammen? 

Wir sind jeden Tag einige Stunden schweigend unterwegs. Das empfinden alle als sehr angenehm. Zu unseren Hütten kommen keine Autos, und man muss einige Stunden gehen, um hinzugelangen. Dort sind Menschen unterwegs, die die Berge und die Natur lieben und dem Fastenwandern meist neugierig gegenüberstehen. Außerdem entsteht nach ein paar Tagen eine eine eigene Art von “Fastenhumor” unter den Teilnehmern, sodass Hüttengaudi und Fastenwandern kein Widerspruch ist. Ein Unterschied liegt darin, dass man schon gerne um 8 Uhr schlafen geht und bereits ab 5 Uhr gerne aufsteht. 

Was ist das größte Risiko beim Fastenwandern?

Das größte Risiko ist, dass ein Teilnehmer zu schnell geht. Ich muss auf jeden Fall darauf achten, dass es zu keiner Unterzuckerung kommt. Aber da ich nur erfahrene Faster mitnehme, hatte ich bisher noch keinen Fall der Unterzuckerung. Manche Teilnehmer klagen an den ersten Tagen über Kopfweh...und das hat meist mit Kaffeeentzug zu tun. Ansonsten gibt es die gleichen Risiken, die für alle Bergwanderungen gelten und auf die ich durch meine langjährige Erfahrung und Ausbildung zur Wanderführerin vorbereitet bin. 
Es gibt allerdings ein neuartiges, lästiges Problem: Es geht fast bei jeder Tour mindestens einem Teilnehmer eine Sohle ab. Diesem Risiko begegne ich durch Mitnahme von Kabelbindern und Klebeband. 


Kann jeder fasten? 

Ich denke, es gibt für jeden eine geeignete Fastenart. Basenfasten, Intervallfasten, ...es gibt viele Arten des Fastens. Buchingerfasten ist für viele, aber nicht für alle Menschen geeignet. Das muss jeder für sich selbst herausfinden beziehungsweise mit seinem Arzt abklären. Ich kann auf meine Fastentreks nur Menschen mitnehmen, die regelmäßig nach Buchinger fasten und wissen, dass es ihnen gut tut. 

Nehmen Sie Erstfaster zum Fastentrekking mit? 

Nein, das kann ich nicht. Ich verweise dann auf die Angebote auf der Fastenwanderzentrale, die stationär und auf Erstfaster eingerichtet sind. Auf stationären Wochen kann man erfahren, wie der Körper auf das Fasten reagiert. Manche Menschen haben keinerlei Probleme, andere haben doch stärkere Fastenkrisen. Wenn man das ein paarmal erlebt hat, lernt man gut damit umzugehen. Ich selbst biete eine stationäre Wochen im Jahr an, am Grundlsee im Frühling. 

Ist Fastenwandern weiblich?

Ja, mehrheitlich. Aber die alpine Form des Fastens spricht auch Männer an. In meinen Gruppen sind ca. drei von zehn Teilnehmern männlich. 

Woher kommen die Teilnehmer und wie erfahren sie von Ihnen? 

Sie kommen zur Hälfte aus Deutschland und zur Hälfte aus Österreich. Die Informationsdrehschreibe ist die Fastenwanderzentrale: ​https://www.fasten-wander-zentrale.de/ Dort kann man über 1000 Fastenwanderangebote finden, darunter auch meines. Sogar eine Teilnehmerin aus Israel hat mich einmal über diese Plattform gefunden. 

Was möchten Sie zum Abschluss noch sagen? 

Am besten gefällt mir, was mir ein Teilnehmer, der selber 30 Jahre lang Fastenleiter war, beigebracht hat: Zum Fasten braucht es - nichts! Es ist das einfachste und natürlichste auf der Welt.